Aufstände in Moldau, der Walachei und Siebenbürgen

Aufstände in Moldau, der Walachei und Siebenbürgen

Die Revolution, die ihren Ausgang in Kerneuropa hatte, drang in den Folgemonaten bis an die europäischen Ränder vor. In Moldau, der Walachei und in Siebenbürgen probte die rumänische Bevölkerung den Aufstand gegen habsburgische, osmanische und russische Vorherrschaft.

Nicht alle Erhebungen im östlichen Teil Europas zielten auf vollständige Unabhängigkeit. In Moldau forderten Kritiker:innen des regierenden Fürsten vor allem eine Liberalisierung des öffentlichen Lebens. In der Walachei stritten Studenten, die durch Studienaufenthalte Aufstände in anderen Teilen Europas kennengelernt hatten, für Veränderungen. Bauern kämpften für das Wahlrecht, für Landreformen, für die Säkularisierung und das Ende der Leibeigenschaft, von der vor allem die Bevölkerungsgruppe der Rom:nja betroffen war. Versuche der Konterrevolution, eingeleitete Verfassungsreformen in der Walachei zurückzunehmen, scheiterten. Dort, wo nationale Souveränität gefordert wurde, kam es auch zu Grenzkonflikten, an die bis heute erinnert wird.

In Bukarest stellten sich Menschenmassen am 30. Juni 1848 dem Militär entgegen und verteidigten die errungenen Reformen. Angeführt wurden die Protestierenden von Ana Ipătescu (auf der Abbildung vorne zu erkennen). Ipătescu stammte aus den Slums von Oraliror und war Mitglied einer im Untergrund agierenden geheimen Bruderschaft. Sie setzte sich für die Überwindung der russischen Herrschaft über rumänische Fürstentümer ein. Blaj in Siebenbürgen (Transsilvanien), das unter österreichischer Herrschaft stand, wurde am 15. Mai 1848 zum Schauplatz einer großen Volksversammlung. Viele der Aufständischen setzten sich für die rechtliche Gleichstellung von Rumänen im Kaisertum Österreich ein. Andere forderten die Unabhängigkeit der Region von Habsburg und schlossen dafür Bündnisse mit Ungarn. Zugleich kam es zu brutalen Grenzkonflikten zwischen rumänischen und ungarischen Bevölkerungsteilen, die heute unter anderem auch als Transsilvanische Massaker aus den Jahren 1848/49 bekannt sind. In den Sommer- und Herbstmonaten gingen die alten Herrscher massiv gegen die Proteste vor und setzten ihre Macht abermals durch.