Aufstände in Ungarn
Aufstände in Ungarn
Als in Wien Proteste gegen Metternich und Kaiser Ferdinand I. aufflammten, kam es auch in Ungarn zu öffentlichem Widerstand. Am 15. März fanden in den durch die Donau getrennten Städten Pest und Buda (heute Budapest) gewaltlose Massendemonstrationen statt. In der Innenstadt Pests versammelte sich eine Menschenmenge, um dem Dichter Sándor Petőfi zuzuhören. Das obige Bild illustriert die Versammlung vor dem Ungarischen Nationalmuseum.
Die revolutionären Ereignisse und Ideen, die sich im Frühjahr 1848 in ganz Europa verbreiteten, fielen in Ungarn auf besonders fruchtbaren Boden. Eine ungarische Unabhängigkeitsbewegung formierte sich, denn seit dem 16. Jahrhundert trugen die Habsburger auch die ungarische Königskrone. Ungarn war Teil ihrer multiethnischen Monarchie und wurde zunehmend in den Gesamtstaat integriert, der von Wien aus gesteuert wurde. Immer wieder flammten Kritik und Widerstand in Ungarn gegen diese Vereinnahmung auf. Die ungarischen Zielvorstellungen variierten jedoch zwischen einer neuen Verfassung für das Königreich Ungarn mit einem Habsburger als König bis hin zur vollständigen Unabhängigkeit von Wien. Letztlich überwog auf den Straßen von Buda und Pest die laute Forderung an Kaiser Ferdinand I. nach einer ungarischen Verfassung.
Gemeinsam zogen die Protestierenden durch die Stadt und verliehen ihren Forderungen Nachdruck. Von den zahlreichen Revolutionsausbrüchen in seinem Reich unter Druck gesetzt, ging Kaiser Ferdinand I. schon am 11. April 1848 auf die Forderungen ein und erließ die sogenannten Aprilgesetze (ungar. Áprilisi törvények). Damit erreichte Ungarn weitestgehend Autonomie von Wien, akzeptierte den Habsburger Ferdinand aber weiterhin als König. Die Aprilgesetzte verschärften aber auch die internen Spannungen in Ungarn, welches selbst ein multiethnischer Staat war. Die Ungar:innen bzw. Magyar:innen waren nun gegenüber den kroatischen, rumänischen, slowakischen und siebenbürgischen Bevölkerungsteilen im Königreich bessergestellt. Dies führte zu heftigen Konflikten, welche bald in einen Bürgerkrieg ausarteten. Nachdem die ersten Revolutionswellen in der Habsburgermonarchie niedergeschlagen waren, griffen die Habsburger in Ungarn ein und versuchten, den Konflikt für die neuerliche Einschränkung der ungarischen Autonomie zu nutzen. Seit dem Herbst 1848 kämpften kaiserliche Truppen und ihre kroatischen Verbündeten gegen die ungarische Regierung, die 1849 den neuen Monarchen, Kaiser Franz Joseph I., sogar für abgesetzt erklärte. Als Ende 1849, mit immenser Hilfe des Russischen Zarenreiches, die ungarischen Armeen endgültig kapitulieren mussten, rächte sich Franz Joseph mit drastischen Maßnahmen an der ungarischen Revolution. Nach zahlreichen Todesurteilen gegen führende Revolutionäre wurden auch die Aprilgesetzte und die Autonomie Ungarns – die Errungenschaften von 1848 – als „verwirkt“ erklärt. Ungarn blieb Teil der Habsburgermonarchie und würde erst 1867 jene Autonomie und Verfassung erhalten, welche schon zwei Jahrzehnte zuvor für kurze Zeit erreicht worden waren.