Iserlohn und die Reichsverfassungskampagne
Iserlohn und die Reichsverfassungskampagne
Auf die Forderung, die Reichsverfassung anzunehmen, reagierten viele Teilstaaten mit der Auflösung regionaler Parlamente. In weiten Teilen des Deutschen Bundes brach daraufhin in der Bevölkerung ein Sturm der Entrüstung aus. In Preußen, zu dem Iserlohn als Teil der preußischen Rheinprovinz gehörte, wurde die Preußische Nationalversammlung durch den König gewaltvoll aufgelöst. Schikanen und das Vorgehen gegen Liberale in den preußischen Provinzen stärkten den Rückhalt aller demokratischen Kräfte in der Bevölkerung. Zur Verteidigung der Paulskirchenverfassung wurde die „Reichsverfassungskampagne“ ausgerufen. Die Ablehnung der Reichsverfassung durch die deutschen Fürsten provozierte auch in Westfalen gewaltsame Proteste.
Westfälische Landwehrtruppen im Dienste Preußens stellten sich teilweise gegen ihren Dienstherrn und liefen zu den Anhänger:innen der Verfassung über. Sie waren nicht bereit, Protestierende gewaltsam zu bekämpfen. Andere wurden an Brennpunkte der Reichsverfassungskampagne eingesetzt. Das auf dem Bild zu sehende Denkmal wurde für Landwehrtruppen aus Iserlohn errichtet, die in Durlach bei Karlsruhe 1849 im Kampf gegen Anhänger:innen der Verfassung fielen.
Am 10. Mai machten sich 1.500 Landwehrsoldaten von Hagen aus auf den Weg ins 20 Kilometer entfernte Iserlohn. Zusammen mit Bewohner:innen aus Iserlohn stürmten sie das Zeughaus, bewaffneten sich und gründeten gemeinsam einen Sicherheitsausschuss, mit dem die Stadt regiert und von Preußen losgelöst werden sollte. Eine frühe Form der Räterepublik entwickelte sich in Iserlohn. Auf Barrikaden schwenkten die Aufständischen die rote Fahne. Die Obrigkeit reagierte mit Warnungen vor dem „Einbruch der Pöbelherrschaft“. Regierungstruppen wurden aus naheliegenden Kasernen wie Wesel zusammengezogen und eroberten am 17. Mai die Stadt zurück. Theodor Fontane schrieb am 17. Mai 1849, dass sich seine „Feder sträubt (…), die Zahl der Opfer anzugeben.“ Bei Gefechten kamen in Iserlohn über 100 Menschen ums Leben.