Juniaufstand in Paris und Einverleibung Algeriens

Juniaufstand in Paris und Einverleibung Algeriens

Nicht nur in Berlin, sondern auch in Paris zeigte sich erst im Verlauf der Revolution, welche unterschiedlichen Zielsetzungen Menschen verfolgten, die noch zu Beginn der Revolution gemeinsam für politischen Wandel auf die Straße gegangen waren. Ab dem 22. Juni 1848 kämpften Pariser Arbeiter:innen mehrere Tage gewaltsam gegen die Schließung der französischen Nationalwerkstätten, die ihnen Lohn und Brot brachten. Auf die militant vorgetragene Forderung nach einem Recht auf Arbeit reagierte die neue Regierung mit brutaler Härte: 5.000 Arbeiter:innen starben, 25.000 wurden verhaftet. 11.000 Inhaftierte wurden in die Kolonien verbannt, nicht wenige, wie das obige Bild zeigt, nach Algerien verschifft. Die Ausweisung hatte Folgen. Bereits während der Februarrevolution war gefordert worden, dass die Errungenschaften der Revolution auch für die in Algerien lebenden Franzosen gelten sollten, denn Algerien war jetzt nicht länger Kolonie sondern Teil Frankreichs.

Die Deportation von Aufständischen war nach der Abschaffung der Todesstrafe für die französischen Machthaber der einfachste Weg, sich unliebsamer Bürger:innen zu entledigen. Es kam zu einer von der ansässigen Bevölkerung abgelehnten neuen Etappe des Siedlungskolonialismus. Im September 1848 startete ein landwirtschaftliches Ansiedlungsprogramm, das mit der Verdrängung von Einheimischen einherging. Und es etablierte sich die sogenannte mission civilisatrice mit der Algerier:innen dazu gebracht werden sollten, sich der französischen Kultur anzupassen.

Schon bald lebten in Algerien über 100.000 Europäer:innen. Die Zahl der europäischen Einwander:innen hatte sich im Vergleich zu 1834 nahezu verzehnfacht. Am 12. November 1848 wurde vom Präsidenten der Nationalversammlung auf dem Place de la Concorde die Verfassung der Zweiten Republik verkündet. Neben demokratischen Errungenschaften beinhaltete sie neue Unfreiheiten. Mit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung wurde Algerien offizieller Teil Frankreichs.

Die französische Herrschaft in Algerien wurde seit den ersten militärischen Konflikten 1830 immer wieder mit gewaltsamen Mitteln von Algerier:innen angefochten. Bis heute wird der Gelehrte Abd el-Kader als algerischer Freiheitskämpfer verehrt. Er übernahm eine prominente Rolle im Guerillakampf gegen die Franzosen, wurde aber nach Kämpfen am 22. Dezember 1847 gefangen genommen. Das Revolutionsjahr verbrachte el-Kader in Fort Lamalgue in Toulon. Schon bald war gewaltsamer Widerstand nicht mehr die Antwort auf die Einverleibung Algeriens, das nun mit den drei Départements Oran, Algiers und Constantine offizielles französisches Staatsterritorium wurde. In Algerien kritisierten nun vor allem Intellektuelle die forcierte Assimilationspolitik der Franzosen.