Oktoberaufstand in Wien
Oktoberaufstand in Wien
Nicht nur in Berlin und Paris, auch in Wien hielten die revolutionären Aktivitäten im Verlauf des Jahres 1848 an. Nach der Märzrevolution kam es immer wieder zu gewaltvollen Zwischenfällen in der Hauptstadt des multiethnischen Kaiserreiches. Im Oktober eskalierte die Lage erneut. Auslöser waren die Konflikte in Ungarn. Arbeiter:innen und Studenten stellten sich Truppen entgegen, die von Wien aus am 6. Oktober Richtung Ungarn aufbrechen und dort die Erhebungen niederschlagen sollten.
Die Solidarität mit den Aufständischen in Ungarn blieb nicht nur auf die Zivilgesellschaft begrenzt. Soldaten liefen über und verweigerten den Dienst. Historiker:innen schätzen die Zahl der am Oktoberaufstand Teilnehmenden auf 100.000 Personen. Der amtierende Kriegsminister Graf Theodor Latour forderte ein entschlossenes Vorgehen gegen die Protestierenden und hielt an den Gegenmaßnahmen fest. Revolutionäre Kräfte stürmen das Kriegsministerium. Latour wurde dabei auf offener Straße gelyncht. In der Stadt kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen der Nationalgarde und dem Militär auf der einen Seite und protestierenden Arbeiter:innen und Studenten auf der anderen Seite. Vor allem wurde die Leopoldstadt von Straßenschlachten heimgesucht. Die Lage war so unkontrolliert, dass Kaiser Ferdinand I. mit seinem Hof erneut fliehen musste. Auch weite Teile des Wiener Großbürgertums verließen die Stadt.
Am 14. Oktober begann die Gegenoffensive von kaisertreuen Einheiten. Angeführt wurde sie von Feldmarschall Alfred zu Windisch-Graetz, der bereits erfolgreich den Prager Pfingstaufstand niedergeschlagen hatte. Wien wurde belagert. Am 28. Oktober lief ein 24-stündiges Kapitulationsultimatum ab. Der Angriff auf die Stadt erfolgte kurz darauf. Demokrat:innen aus dem Ausland, darunter der Nationalratsabgeordnete Robert Blum und Jozef Bem eilten zur Unterstützung in die Stadt an der Donau. Eine weiße Fahne am Stephansdom markierte am 1. November das Ende des Oktoberaufstands und der revolutionären Erhebungen in Wien des Jahres 1848. Schätzungsweise kamen bis zu 4.000 Menschen in den Gefechten ums Leben, weitere – wie Robert Blum – wurden standrechtlich erschossen.