Polnischer Aufstand

Polnischer Aufstand in der Republik Posen

In dem seit 1795 von den europäischen Großmächten Österreich, Preußen und Russland aufgeteilten Polen forderten Unabhängigkeitsbewegungen 1848/49 ebenfalls Freiheit, Demokratie und staatliche Selbständigkeit. Bereits 1830/31, nach der Pariser Julirevolution, war es zu einem Aufstand in dem vom zaristischen Russland beherrschten „Kongresspolen“ gekommen. Im April und Mai 1848 kam es, beflügelt durch die Berliner Märzrevolution, im preußisch beherrschten Posen zu einem Aufstand unter Ludwik Mierosławski, der in der Preußischen Nationalversammlung kontrovers diskutiert, aber schließlich von preußischen Truppen niedergeschlagen wurde.

Der Widerstand gegen Fremdbestimmung machte polnische Unabhängigkeitskämpfer:innen früh zu europäischen Galionsfiguren für die Selbstbestimmung der Völker. Die Berliner hatten am 20. März 1848 Ludwik Mierosławski und zahlreiche andere zum Tode oder zu langen Freiheitsstrafen verurteilte polnische Freiheitskämpfer aus dem Zellengefängnis in Moabit befreit und im Triumphzug durch die Stadt geführt.

Sukzessiv wurden preußische Beamte in der Provinz Posen durch polnische abgelöst. Nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch im Alltag wurde der Konflikt sichtbar. An vielen Orten ersetzten Aktivist:innen den preußischen Adler durch den polnischen Adler. Zur Selbstverteidigung formierte sich ein Heer, das jedoch nur spärlich mit Waffen ausgestattet werden konnte. Ende Mai musste es vor der preußischen Übermacht kapitulieren.

Die Frage der Zugehörigkeit Posens spaltete die politischen Lager im Deutschen Bund. Sie wurde sowohl in der Preußischen als auch in der Frankfurter Nationalversammlung kontrovers debattiert. Der liberalkonservative Berliner Abgeordnete Wilhelm Jordan zum Beispiel sprach sich in kultur-chauvinistisch rassistischen Wendungen gegen die nationale Selbständigkeit Polens aus.