Prager Pfingstaufstand

Prager Pfingstaufstand

Viele der sich als slawisch und als eigenständige Nationen definierenden Bevölkerungsgruppen im Osten Europas teilten das Schicksal, von den Habsburgern in
Wien regiert zu werden. In Tschechien, damals das zum Kaisertum Österreich gehörende Königreich Böhmen, kulminierten am 12. Juni Proteste gegen die österreichische Herrschaft. Diese waren nach dem Sturz Metternichs immer wieder aufgeflammt. Als das kaiserliche Militär Prag beschoss, stand die heute bei Tourist:innen beliebte Karlsbrücke im Zentrum der Kämpfe. Auf dem Bild sind die Barrikadenkämpfe vor dem Brückenturm zu sehen.

Auslöser des Pfingstaufstandes in Prag war die Forderung deutschnationaler Kräfte in Böhmen die Zugehörigkeit Böhmens zum Deutschen Bund durch die Entsendung eigener Abgeordnete in die Frankfurter Nationalversammlung zu festigen. Das begriffen Studenten, die für die tschechische Unabhängigkeit eintraten, als Provokation und revoltierten. Erneut entsandten die Machthaber am 20. Mai den verhassten Militärgeneral Windisch-Graetz nach Prag. Dem zum Trotz versammelte sich im Sommer eine eigene, slawische Versammlung in Prag.

Auch wenn bis heute darüber gestritten wird, ob dieser Slawenkongress im Juni 1848 eine direkte Antwort auf die Einberufung der deutschen Nationalversammlung war, lehnten die böhmischen Entsandten in die Paulskirche gleichzeitig eine Einverleibung Böhmens in ein großdeutsches Reich ab. Der Slawenkongress brachte jedoch nur wenige konkrete Ergebnisse hervor. Er war aber ein Ausdruck gegen die mitunter brutale Anpassungspolitik in Preußen und in der Habsburgermonarchie gegenüber ihren slawischen Bevölkerungsteilen. Die Teilnehmer forderten Freiheit und Gleichheit der slawischen Völker und den Wandel der Monarchien in Föderationen gleichberechtigter Völker. Am letzten Tag des Slawenkongresses sammelte sich auf dem Rossmarkt ein Demonstrationszug. Auch weite Teile der entsandten Nationalgarde schlossen sich an.