Revolutionäre Soldaten in Rastatt

Revolutionäre Soldaten in Rastatt

Die Festung Rastatt wurde als Bundesfestung seit den frühen 1840er Jahren erbaut und sollte an der Grenze des Deutschen Bundes dessen Territorium vor möglichen französischen Angriffen schützen. Am Ende des Revolutionsjahres 1848/49 liefen hier stationierte Truppen zur Revolution über. Wie im Dresdner Maiaufstand oder beim Iserlohner Aufstand war es der Glaube an die verabschiedete Reichsverfassung und die in der Paulskirche tagende Nationalversammlung, die in Rastatt ein Band zwischen Soldaten, Bürgerwehr und revolutionären Kräften knüpfte.

Das revolutionäre Aufbegehren in Rastatt war Teil der Auseinandersetzung um die Paulskirchenverfassung, deren Ablehnung zur „Reichsverfassungskampagne“ führte. Am 11. Mai 1849 besetzten übergelaufene Soldaten mit Unterstützung bekannter Revolutionäre wie Carl Schurz die Festung. Ihr Aufstand befeuerte ein letztes Mal die revolutionären Bestrebungen im Deutschen Bund. Der Soldatenaufstand entzündete weitere Erhebungen in Baden und in der Pfalz. Mitte Juni trafen die vom Großherzog Leopold angeforderten preußischen Truppen in Baden ein und schlugen die Kräfte der Reichsverfassungskampagne nieder. In Lörrach zum Beispiel endeten die Aufstände am 11. Juli 1849.

Die Kräfteverhältnisse waren auch in Rastatt unausgewogen. Die in der Festung verschanzten 5.500 Soldaten und Freiwilligen standen einemviel größeren regierungstreuen Heer aus preußischen, bayrischen und nassauischen Truppen gegenüber. Vom 30. Juni an wurde Rastatt von diesen Truppen belagert. Der Beschuss der Innenstadt von Rastatt sollte sicherstellen, dass die Bundesfestung nicht beschädigt, aber die Zivilbevölkerung und Verteidiger:innen demoralisiert werden. Es gab Gegenwehr die auf Seite der Konterrevolution zu Verlusten führte. Am 23. Juli gaben die Aufständischen die Festung auf. Mit der Hinrichtung von revoltierenden Soldaten und ihrer Sympatisant:innen war im Oktober 1849 die demokratische Revolution auch im Deutschen Bund beendet.