Sturm auf das Berliner Zeughaus

Vor dem Berliner Zeughaus hat sich eine große Menschenmenge versammelt, sie recken kampfbereit Schwerter in die Höhe.
Neuruppiner Bilderbogen Nr. 1348 – Plünderung des Zeughauses zu Berlin, © Deutsches Historischen Museum/I. Desnica

Sturm auf das Berliner Zeughaus

Nach der Märzrevolution rangen die politischen Akteure in Berlin um die Interpretation des Geschehenen. Waren die Barrikadenkämpfe vom 18. März als erfolgreiche Revolution anzuerkennen, deren Ziele es nun umzusetzen galt? War Versöhnung die Lösung der schwelenden Konflikte? Revolutionäre Aktivist:innen bedrängten konservative Abgeordnete in der Preußischen Nationalversammlung, den Zielen und Errungenschaften des 18. März mehr Nachdruck zu verleihen. Erneut kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen in der preußischen Hauptstadt. Diesmal blieben sie jedoch auf wenige Orte der Stadt begrenzt.

Versammlungsverbote, die auch nach der Märzrevolution in Kraft blieben, hielten Kritiker:innen der bestehenden Verhältnisse auch nach dem 18. März nicht von öffentlichen Protesten ab. Als am 14. Juni vor dem Kriegsministerium erneut der Wunsch nach Volksbewaffnung vorgetragen wurde, entwickelte sich die Stimmung zu einem explosiven Gemisch. Die Bürgerwehr, die am 19. März gebildet worden war und die Ordnung in Berlin nach dem Abzug des preußischen Militärs sicherstellen sollte, stellte sich den Protestierenden mit gezogenen Waffen entgegen. Vor dem Schloss fielen wieder Schüsse. Zwei Menschen starben, mehrere wurden verwundet. Als eine Menschenmenge, unter ihnen die Aktivist:in Lucie Lenz, das Zeughaus Unter den Linden stürmte, konnte die Bürgerwehr zwar deren Eindringen nicht verhindern, wohl aber die Erbeutung größerer Waffen- und Munitionsvorräte. Erst in der Nacht brachten Militäreinheiten die Lage unter Kontrolle.

Der Sturm auf das Zeughaus löste eine Generaldebatte über die seit dem 19. März eingesetzte Bürgerwehr aus. Demokrat:innen machten sie für die Eskalation der Gewalt verantwortlich und Konservative prangerten deren Ineffizienz an. Die 1848er Bewegung spaltete sich mehr und mehr. Die Konflikte erleichterten dem preußischen König die Rückeroberung Berlins unter General von Wrangels Führung im November 1848.