Bettina von Arnim
Die Fürsprecherin der Armen
Geboren: 4.4.1875
Gestorben: 20.01.1859
Geburtsort: Frankfurt am Main
Beruf: Schriftstellerin
Gruppe: Revolutionärin
Bettine v. Arnim wünscht sich Veränderungen in Preußen. Besonders die armen Menschen liegen ihr am Herz. Auch will sie, dass es mehr politische Mitsprache gibt und beteiligt sich an der Revolution von 1848.
Vor der Revolution
Bettine von Arnim war eine Schriftstellerin. Sie wurde 1785 in Frankfurt/Main geboren; sie starb 1859 in Berlin. 1811 heiratete sie den Schriftsteller Achim von Arnim. Nach seinem Tod 1831 lebte sie alleine in Berlin. Sie stand den Frühsozialisten um Karl Marx nahe, glaubte aber an eine Lösung der sozialen Frage mit einem „Volkskönig“.
In ihren Schriften vor der Revolution prangerte Bettine von Arnim an:
● die Realitätsferne der Herrschenden
● den fehlenden Mut zur Wahrheit
● die fehlende Unterstützung für sozialen Aufstieg und die Bekämpfung der Armut.
● Ihrem „Königsbuch“ ist ein dokumentarischer Anhang beigefügt über die Lebensbedingungen in den Elendsquartieren Berlins in der Nähe des Oranienburger Tors; geschrieben wurde diese erste Sozialreportage in deutscher Sprache von dem Schweizer Heinrich Grunholzer, der die Protokolle regelmäßig an Bettine von Arnim übermittelte und der von ihr zu weiteren Recherchen ermutigt wurde.
Bettine von Arnim empfand es als ihre Pflicht, dem jeweiligen Herrscher „unerschrocken“ die Wahrheit zu sagen. Ihr „Königsbuch“ kann erscheinen und wird nicht zensiert. Aber ihr Einsatz für die Armen wird von den preußischen Behörden zunehmend kritisch beobachtet.
Exkurs: Bürgerliche Frauen im 19. Jahrhundert
(Bürgerliche) Frauen sind in der Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts unmündig. Das bedeutet, dass Frauen keine Entscheidungen selbst treffen können. Sie dürfen ihr eigenes Geld nicht selbst verwalten, sich vor Gericht nicht selbst vertreten und auch nicht selbst entscheiden, wo sie arbeiten wollen. Diese Entscheidungen trifft der sogenannte Geschlechtsvormund für Frauen. Das ist der Vater und nach der Eheschließung der Ehemann. Frauen sind diesen Männern wie Kinder unterstellt. Immer weiter verbreitet sich auch der Gedanke, dass Männer und Frauen aufgrund ihres Geschlechts natürliche Eigenschaften haben und deswegen bestimmte Rollen ausüben sollten. Für Frauen stellt man sich vor, dass diese besonders emotional, liebevoll und fleißig seien. Die zugedachte Rolle ist daher die der Mutter und der Ehefrau. Männer dagegen wären strategisch denkend und rational. Der Platz der Männer – so die Logik der Rollenzuschreibungen – sei damit der öffentliche Raum und die Berufstätigkeit. Der Platz der Frauen, das eigene Haus.
Während der Revolution
Vor und nach dem 18./19. März trafen sich regelmäßig freiheitlich und oppositionell gesinnte Demokrat*innen aber auch Konservative in ihrem Haus und diskutierten dort über Politik und Revolution. Was folgt, ist eine zunehmende Überwachung der Zusammenkünfte in ihrer Berliner Wohnung durch den preußischen Zensurapparat.
Exkurs: Salons als Form der Teilhabe
Politische Salons gibt es meist in bürgerlichen Haushalten. Die Gäste versammeln sich und diskutieren politische Themen, lesen gemeinsam Berichte und bauen so gemeinsam, außerhalb der Strukturen eines Parlaments ein Netzwerk auf. Oft sind es Frauen, die diese politischen Salons organisieren. Das liegt zum Teil auch am Rollenbild der bürgerlichen Frau, dieses beschreibt die Frau in einer unterstützenden Rolle des Mannes. Frauen sollen sich nach dieser Vorstellung nicht direkt am Kampf beteiligen oder ins Parlament ziehen. Manche Frauen wollen sich aber ins politische Geschehen einbringen und ihre Meinung selbst vertreten. Das Gastgeben schafft eine Möglichkeit, sich zu beteiligen, ohne aus dem Rollenbild auszubrechen. Dazu kommt, dass bürgerliche Frauen, beziehungsweise deren Familien, oft die finanziellen Mittel haben, um Abendeinladungen auszusprechen.
Exkurs: Zutritt verboten!
Frauen waren in den Parlamenten wie auch in der Nationalversammlung in der Paulskirche nicht als Teilnehmerinnen zugelassen. Nur als Zuschauerinnen sind sie erlaubt. Manche Frauen berichten, dass sie nur hinter einem Vorhang hervor spitzen konnten. Das Mitdiskutieren war so unmöglich und auch von Seiten der Versammlung unerwünscht. Viele Frauen suchen sich daher andere Wege, um ihre Meinung kundzutun. Frauen, die journalistisch arbeiten, beispielsweise als Schriftstellerin oder Herausgeberin, konnten das Diskutierte in ihren Texten verarbeiten. Andere, beispielsweise Bettine v. Arnim, schreiben Briefe an das Parlament, um ihre Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen. Hier ein Beispiel:
Quelle: Bettine von Arnim: An die preußische Nationalversammlung zur Polenfrage
“Keine erfrorene Einsamkeit des Thrones mehr! (…) Wo die Volksstürme brausen, da ist es menschlich groß, um den Frieden bei ihnen (der Regierung / dem König) werben. Es ist ein Wille der Gerechtigkeit in diesen Volksstürmen! – Ihr Wille geschehe!
Regieren, wo das freie Volksbewußtsein nicht die Grenzen bestimmt, ist immer Unterdrücken.
Das Volk bekämpft entweder die Vergehen und Irrungen der Regierung oder es dient ihnen! Großes geht nur hervor aus dem Einverständnis zwischen beiden. Von diesem Volkseinfluß muß die Regierung getragen sein, wenn sie nicht etwa eine bestimmte moralische Bildungsform über die Menschheit verhängt, wie Oestreich, und Staatsgeschäfte lieber mit Werkzeugen bearbeitet, als mit Menschen von Charakter, wie Preußen! – Das Volk muß diesen Einfluß behaupten, wenn es nur etwas von seinen natürlichen Rechten beibehalten soll. Dieselbe moralische Kraft muss Volk und Regierung zügeln, tragen und einander verbinden. Die Launen eines Monarchen können keine machtgebenden sein, da sie nur sich geltend machen wo Gesetz und Gerechtigkeit erlahmt sind, und die basis aller Realität in diesen verwischen”
Exkurs: Das Ende der Revolution
An nur drei Tagen im November 1848 beendet der König die Revolution in Berlin: Am 10. November besetzt General von Wrangel mit 13.000 Soldaten die Stadt. Am 11. November wird die Berliner Bürgerwehr aufgelöst, und am 12. November wird der Belagerungszustand verhängt. Statt Pressefreiheit, lebhafter Meinungsbildung in Cafés und auf der Straße, öffentlichen Protesten und Demonstrationen erzwingt Friedrich Wilhelm IV. Ruhe in Preußen. Der König erlässt für den preußischen Staat eine eigene Verfassung, die aber die revolutionären Hoffnungen nicht erfüllen kann. Im Frühjahr 1849 bietet die Frankfurter Nationalversammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone eines vereinten Deutschlands an. Im April 1849 lehnt der König dann aber ab, da der Krone, so Friedrich Wilhelm IV., der „Ludergeruch der Revolution“ anhafte. Auf gesamtdeutscher Ebene scheitert die Revolution endgültig, als die militärische Niederschlagung unter preußischer Führung der „Reichsverfassungskampagne“ im Juli 1849 den letzten revolutionären Widerstand bricht. Zahlreiche Revolutionäre, darunter die Parlamentarier der Paulskirche, fliehen vor politischer Verfolgung ins Ausland.
Nach der Revolution
Bettine von Arnim engagiert sich weiterhin für soziale Gerechtigkeit. Sie setzt sich für die Freilassung des Revolutionärs Gottfried Kinkel ein und veröffentlicht 1852 das Werk „Gespräche mit Dämonen“, in dem sie für die Abschaffung der Todesstrafe und die Gleichstellung von Frauen und Juden plädiert. Ihre Schriften werden teilweise zensiert und verboten, dennoch bleibt sie eine wichtige Stimme für Reformen.