Friedrich Wilhelm IV.
Der zögerliche König
Geboren: 15.10.1795
Gestorben: 02.01.1861
Geburtsort: Berlin
Beruf: König von Preußen
Gruppe: Herrscher
Vor der Revolution
Friedrich Wilhelm IV. wird 1795 im Berliner Kronprinzenpalais geboren. Er ist das älteste von sieben Kindern des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Louise. 1806 besetzt der französische Kaiser Napoleon das besiegte Preußen. In den Befreiungskriegen zwischen 1813 und 1815 kämpfen Preußen und seine Verbündeten aber wieder gegen die französische Armee und besiegen sie. Diese Erfahrungen prägen den Prinzen und seine politischen Ansichten. Er entwickelt eine starke Abneigung gegen politische Reformen. 1823 heiratet er Elisabeth, die Tochter des bayerischen Königs Maximilian I., doch die Ehe bleibt kinderlos. 1840 wird er König von Preußen. Sein christlicher Glauben spielt eine zentrale Rolle in seiner Herrschaft und prägt seinen politischen Kurs. Er ist beliebt und gilt als gebildet. Es wird aber kritisiert, dass er keine politischen Reformen will.
Exkurs: Adel in Preußen
Preußen ist 1848 eine absolute Monarchie, in der König Friedrich Wilhelm IV. sich auf Gott beruft. Adelige Menschen ernennen oder wählen damals also nicht den König, aber haben dennoch eine besondere Rolle in der preußischen Gesellschaft. Dies gilt insbesondere für Adelige mit Landbesitz oder sonstigem Vermögen. Seit 1823 tagen sie in den sogenannten Provinziallandtagen. Diese hatten eine beratende Funktion für den König. Zudem wurde 1847 erstmals der Vereinigte Landtag einberufen. Dort waren Adelige, Großbauern und städtische Grundbesitzer vertreten. Die Mehrheit der Bevölkerung blieb ausgeschlossen. Besonders wichtig war jedoch, dass Adelige weiterhin von der Grundsteuer ausgenommen waren und häufig als Berater des Königs großen Einfluss auf die Politik in Preußen nahmen.
Während der Revolution
Friedrich Wilhelm IV. ist 1848 bereits seit acht Jahren preußischer König. Die Hoffnungen vieler Menschen, dass er sich für eine Verfassung und Grund- und Menschenrechte einsetzen wird, sind 1848 schon weitgehend zerstört. Er versucht, die im Frühjahr aufkommenden Debatten und Proteste durch Verbote und notfalls mit Gewalt zu unterdrücken. An der Armut breiter Bevölkerungsteile ändert er wenig. Am 18. März 1848 ist die Situation angespannt, nachdem es in Paris, Wien und andernorts bereits zu revolutionären Auseinandersetzungen gekommen ist. Der König kündigt Pressefreiheit an und tausende Menschen versammeln sich am Schloss. Der Befehl des Königs, den Platz zu räumen und das folgende Aufeinandertreffen von Soldaten und Demonstrierenden führen zu Missverständnissen und Schüssen. Es kommt zu blutigen Barrikadenkämpfen. Aufgrund der heftigen Kämpfe befiehlt der König den Rückzug des Militärs. In den folgenden Tagen lässt er sich auf viele Forderungen des Volkes ein. Er gewährt Rede- und Versammlungsfreiheit, verspricht eine Verfassung und sich für die Gründung eines gesamtdeutschen Staates einzusetzen. Innerlich überzeugt ist er aber nicht. In den folgenden Monaten versucht er, die Ergebnisse der Revolution rückgängig zu machen und seine Zugeständnisse zurückzunehmen. Bereits im Herbst 1848 hat der König seine fast uneingeschränkte Macht zurückerlangt und wieder eine scharfe Zensur eingeführt. Er gewährt aber in seiner von ihm – und nicht von einer Volksvertretung – erlassenen Verfassung sogar einige Rechte und Freiheiten.
Auszüge aus der Proklamation Sr. Majestät Königs von Preußen Friedrich Wilhelm IV. „An mein Volk und die deutsche Nation“ vom 21. März 1848
In seiner Proklamation vom 21. März bekennt sich Friedrich Wilhelm zur deutschen Einheit und zur Freiheit. Zwei Tage nach den Barrikadenkämpfen ist das ein weiteres starkes Signal an die Bevölkerung. Hier einige Ausschnitte. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Punkte?
„Deutschland ist von innerer Gährung ergriffen und kann durch äußere Gefahr von mehr als einer Seite bedroht werden. Rettung aus dieser doppelten dringenden Gefahr kann nur aus der innigsten Vereinigung der deutschen Fürsten und Völker unter einer Leitung hervorgehen.“
„Ich übernehme heute diese Leitung für die Tage der Gefahr. Mein Volk, das die Gefahr nicht scheut, wird Mich nicht verlassen und Deutschland wird sich Mir mit Vertrauen anschließen.“
„Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und Mich und Mein Volk unter das ehrwürdige Banner des deutschen Reiches gestellt. Preußen geht fortan in Deutschland auf.“
„Gleichzeitig mit den Maaßregeln zur Abwendung der augenblicklichen Gefahr wird die deutsche Stände-Versammlung über die Wiedergeburt und Gründung eines neuen Deutschlands berathen, eines einigen, nicht einförmigen Deutschlands, einer Einheit in der Verschiedenheit, einer Einheit mit Freiheit.“
„Allgemeine Einführung wahrer constitutioneller Verfassungen, mit Verantwortlichkeit der Minister in allen Einzelstaaten, öffentliche und mündliche Rechtspflege, in Strafsachen auf Geschworenengerichte gestützt, gleiche politische und bürgerliche Rechte für alle religiösen Glaubensbekenntnisse und eine wahrhaft volksthümliche, freisinnige Verwaltung werden allein solche höhere und innere Einheit zu bewirken und zu befestigen im Stande sein.“
Um seinen vermeintlichen Seitenwechsel zu untermauern, zeigt sich Friedrich Wilhelm bei einem Umritt mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde und verspricht eine Verfassung, Religionsfreiheit und eine moderne Verwaltung. Viele Menschen, die auf Veränderung hoffen, glauben den Versprechungen des Königs. Was denkst du? Meint er das Ernst oder ist es nur ein Trick, um die Bevölkerung zu beruhigen?
Exkurs: Das Ende der Revolution
An nur drei Tagen im November 1848 beendet der König die Revolution in Berlin: Am 10. November besetzt General von Wrangel mit 13.000 Soldaten die Stadt. Am 11. November wird die Berliner Bürgerwehr aufgelöst, und am 12. November wird der Belagerungszustand verhängt. Statt Pressefreiheit, lebhafter Meinungsbildung in Cafés und auf der Straße, öffentlichen Protesten und Demonstrationen erzwingt Friedrich Wilhelm IV. Ruhe in Preußen. Der König erlässt für den preußischen Staat eine eigene Verfassung, die aber die revolutionären Hoffnungen nicht erfüllen kann. Im Frühjahr 1849 bietet die Frankfurter Nationalversammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone eines vereinten Deutschlands an. Im April 1849 lehnt der König dann aber ab, da der Krone, so Friedrich Wilhelm IV., der „Ludergeruch der Revolution“ anhafte. Auf gesamtdeutscher Ebene scheitert die Revolution endgültig, als die militärische Niederschlagung unter preußischer Führung der „Reichsverfassungskampagne“ im Juli 1849 den letzten revolutionären Widerstand bricht.
Zahlreiche Revolutionäre, darunter Parlamentarier der Paulskirche, fliehen vor politischer Verfolgung ins Ausland.

„Soll ich nich? – Soll ich?! Knöppe, ihr wollt! Nu jerade nich!!“
Auf einer zeitgenössischen Karikatur hadert der König, ob er die Kaiserkrone annehmen soll. Dass er ablehnt, besiegelt das Ende der Revolution. Welche Botschaft möchte die Karikatur über Friedrich Wilhelm IV. und seine Haltung zur Kaiserkrone vermitteln?
Nach der Revolution
Nach der Revolution bleibt Friedrich Wilhelm IV. noch bis zu seinem Tod 1861 König von Preußen. Ab 1857 übernimmt sein Bruder die Regierungsgeschäfte, da Friedrich Wilhelm psychisch erkrankt ist. Der Revolution folgt die sogenannte Reaktionszeit. Diese Zeit ist davon geprägt, dass in Preußen und in vielen anderen deutschen Staaten die Errungenschaften der Revolution wieder abgeschafft werden. Die Beamten, die sich revolutionär betätigt haben, werden ausgetauscht und von der Polizei überwacht. Revolutionäre werden oftmals verfolgt und in Gefängnisse gesperrt. Viele der Demokrat:innen, also diejenigen, die nach politischen Rechten wie Freiheit, Gleichheit und Mitbestimmung streben, wandern aus. Sie sehen in Deutschland keine Zukunft mehr für sich. Andere ziehen sich aus der Politik zurück und widmen sich ihrem Beruf.
Exkurs: Das Dreiklassenwahlrecht
Noch im Jahr 1848 beschließt König Wilhelm IV. ein neues Wahlrecht, womit die preußische Nationalversammlung, eine Art Landtag, gewählt werden soll. Alle Männer, die mindestens 24 Jahre alt sind und keine Fürsorgeleistungen erhalten, dürfen wählen. Die Wahlberechtigten werden in drei Gruppen eingeteilt. Die Einteilung basiert darauf, wie viele Steuern man zahlt. Jede Gruppe darf dann ein Drittel der Wahlmänner wählen, diese wählen dann die Abgeordneten, die in das Abgeordnetenhaus einziehen sollen. Die Wahl ist nicht geheim.
Dieses System ist aber ungerecht. Die Gruppe mit den höchsten Steuerzahlungen hat in absoluten Zahlen die wenigsten Mitglieder, darf aber trotzdem gleich viele Wahlmänner bestimmen wie die sehr große Gruppe derjenigen mit kleinem Steueraufkommen. Die Stimme eines Mannes aus der ersten Gruppe zählt so ca. 17x so viel wie die Stimme eines Mannes aus der dritten Gruppe.
Wie schafft sich Friedrich Wilhelm IV. durch das Dreiklassenwahlrecht eine Art Schlupfloch, um seine Macht zu erhalten, obwohl er Wahlen zulässt?