Georg Jung
Der rebellische Parlamentarier
Geboren: 2.1.1814
Geburtsort: Rotterdam
Beruf: Politiker
Gruppe: Revolutionär
Georg Jung ist ein bekannter Berliner Revolutionär. Lies dich durch das Material, um zu erfahren, wie Georg Jungs Leben vor, während und nach der Revolution 1848/49 aussah. Die wichtigsten Texte zu seinem Leben vor, während und nach der Revolution sind mit den lila Pfeilen markiert.
Vor der Revolution
Georg Jung wird 1814 in Rotterdam in den Niederlanden als Sohn eines vermögenden deutschen Kaufmanns geboren. Er wächst in Köln auf und hat drei Geschwister. Als Kind aus städtisch-bürgerlichen Verhältnissen bekommt er Privatunterricht und studiert ab 1834 Jura. Zuerst besuchte er die Universität in Bonn und ab 1835 in Berlin. 1838 heiratet er Pauline Stein. 1842 gründet er die „Rheinische Zeitung“ mit. Unter Leitung von Karl Marx wird diese Zeitung zum wichtigsten oppositionellen Blatt der Jahre vor der Revolution 1848. Georg veröffentlicht demokratisch orientierte Schriften und gehört in Berlin zum Kreis der sogenannten Junghegelianer:innen. Diese Intellektuellen verehren den Philosophen Hegel und diskutieren über wichtige Themen wie Verfassungsfragen, Beamtentum und Pressefreiheit. Sie setzen sich auch kritisch mit der Religion auseinander und fordern mehr persönliche Freiheit und Gleichheit. Die Junghegelianer sehen die Philosophie nicht nur als Theorie, sondern als Werkzeug, um die Gesellschaft zu verändern.
Exkurs: Pressezensur im Vormärz
Seit 1819 gibt es in den deutschen Staaten eine strenge Buch- und Pressezensur. Wer kritische Dinge schreibt, muss mit Publikationsverboten oder sogar Festnahmen rechnen. In den Jahren vor der Revolution 1848 versuchen Menschen wie Georg Jung, die Zensur zu umgehen. Sie kämpfen schon vor der Revolution – oft aus dem Exil – für Presse- und Meinungsfreiheit. Häufig treffen sich Gleichgesinnte im Geheimen, zum Beispiel in Lesezirkeln oder privaten Salons, um gemeinsam zu lesen und zu diskutieren.

Lesecafé in Berlin 1848, Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin
In der Zeitungshalle treffen sich schon vor der Revolution Berliner Männer, um Zeitungen aus Deutschland und anderen Ländern zu lesen und politisch zu diskutieren. Außerdem wird dort eine radikaldemokratische Zeitung herausgegeben. Es ist gut möglich, dass auch Georg Jung die „Zeitungs-Halle“ besucht hat.
Was fällt dir an den Männern auf dem Bild auf? Welchen sozialen Hintergrund könnten sie haben?
Während der Revolution
1848 ist Georg einer der führenden Köpfe der demokratischen Bewegung in Berlin und hat sich an der Revolution von 1848 beteiligt. Als Präsident des „Politischen Clubs“ – der im Mai 1848 in „Demokratischer Club“ umbenannt wird – hat er viele revolutionäre Ideen und Ziele selbst mitgeprägt. Georg wird auch Mitglied der preußischen Nationalversammlung. Die Preußische Nationalversammlung von 1848 ist ein gewähltes Parlament, in dem Vertreter der Bevölkerung zusammenkommen, um eine Verfassung für Preußen zu erarbeiten; gewählt wird sie von männlichen Bürgern ab 24 Jahren, allerdings in einem Wahlsystem, das Wohlhabendere bevorzugt. Bei der Eröffnung des Parlaments durch den König ist Georg aus Protest nicht dabei. Er und seine Mitstreiter fordern die Souveränität des Volkes, kein Vetorecht für den König und die alleinige Zuständigkeit der Erarbeitung der Verfassung durch das Parlament. Georgs Reden sind oft ziemlich drastisch und radikal. Damit macht er sich zwar beim „einfachen Volk“ beliebt, sorgt aber auch für eine aufgeheizte Stimmung.
Exkurs: Georgs Rede auf der Beerdigung der Märzgefallenen
Georg Jung hält bei der Beerdigung am 22. März eine der Reden auf dem Friedhof der Märzgefallenen. Er erinnert daran, dass die errungenen Freiheitsrechte trotz der Revolution keineswegs selbstverständlich sind. Er sagt, dass „Es keinen Pöbel, keinen rohen Haufen, kein Gesindel“ mehr gibt „denn wir, so sprechen die Todten, haben mit unserm Blute euern Bürger- und Freiheitsbrief besiegelt. So vermachen wir denen, so spricht das Testament, auch Allen gleiche Rechte, gleiches Gesetz, gleiches Gericht, gleiche Theilnahme an der Gesetzgebung. Frei mögt ihr reden und schreiben, frei euch vereinigen.“ Georg betont, dass die „Rose der Freiheit und Verbrüderung“ gerade erst beginnt zu „keimen“ und man sehnsuchtsvoll auf ihre Blüte wartet. Er sagt weiter:
„Noch sind euch die wichtigsten Rechte, wie das allgemeine Wahlrecht, Sicherheit der Person vor der Gewalt der Polizei, freie Vereinigung, freie Versammlung nicht gewährt, noch sind Leute eure gesetzlichen Vertretern die nicht euer Wille, sondern ihr Privilegium, der zufällige Umstand ihrer Geburt, ihres Besitzes und ihrer Handtierung dazu machten.“
Exkurs: politische Clubs in Berlin 1848
Schon bald nach den Barrikadenkämpfen entstehen in Berlin politische Vereine, zum Beispiel der „Politische Klub“. Dem Klub schließen sich über 1000 Männer an, vor allem linke Liberale und Demokraten wie Georg. Sie wollen die in der Revolution erkämpften Freiheiten verteidigen und die Revolution in allen Bereichen der Gesellschaft durchsetzen. Daneben gibt es andere Vereine, wie den gemäßigten liberalen „Konstitutionellen Club“, der eine konstitutionelle Monarchie vorbereitet. Im Tiergarten trifft man sich weiterhin in den Zelten, ab Ende März im „Volksverein unter den Zelten“. Dort diskutieren vor allem besitzlose Arbeiter. Frauen gründen eigene demokratische Vereine, da sie von den Männern in den anderen Klubs ausgeschlossen werden.
Exkurs: Das Ende der Revolution
An nur drei Tagen im November 1848 beendet der König die Revolution in Berlin: Am 10. November besetzt General von Wrangel mit 13.000 Soldaten die Stadt. Am 11. November wird die Berliner Bürgerwehr aufgelöst, und am 12. November wird der Belagerungszustand verhängt. Statt Pressefreiheit, lebhafter Meinungsbildung in Cafés und auf der Straße, öffentlichen Protesten und Demonstrationen erzwingt Friedrich Wilhelm IV. Ruhe in Preußen. Der König erlässt für den preußischen Staat eine eigene Verfassung, die aber die revolutionären Hoffnungen nicht erfüllen kann. Im Frühjahr 1849 bietet die Frankfurter Nationalversammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone eines vereinten Deutschlands an. Im April 1849 lehnt der König dann aber ab, da der Krone, so Friedrich Wilhelm IV., der „Ludergeruch der Revolution“ anhafte. Auf gesamtdeutscher Ebene scheitert die Revolution endgültig, als die militärische Niederschlagung unter preußischer Führung der „Reichsverfassungskampagne“ im Juli 1849 den letzten revolutionären Widerstand bricht.
Zahlreiche Revolutionäre, darunter Parlamentarier der Paulskirche, fliehen vor politischer Verfolgung ins Ausland.
Exkurs: Das Medium Zeitung in der Revolution 1848/49
Während des Verlaufs der Revolution von 1848/1849 sind die Menschen sehr an politischen Ereignissen interessiert. Doch die unmittelbare Teilnahme an Versammlungen ist vielen Menschen nicht möglich. Einige Vertreter:innen der Revolution beginnen Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen, drücken so ihre Meinung zu politischen Debatten aus oder versuchen die breitere Bevölkerung zu informieren. In politischen Clubs wurden Zeitungen vorgelesen, um den Teil der Bevölkerung, der nicht lesen konnte – ca. 20% – zu informieren. Zeitungen gab es schnell in vielen verschiedenen Formen und zu vielen Themen. Von strukturierten, wöchentlichen Blättern mit hohen Auflagenzahlen bis hin zu sporadisch erscheinenden Blättern mit einem stark individuellen Stil ist alles dabei. Auch Frauen werden zu Herausgeber:innen und Journalist:innen und finden einen neuen Weg, sich politisch zu beteiligen. Lest ihr Zeitung? Welche Medien werden heute genutzt, um politische Gedanken zu teilen?
Nach der Revolution
Anfang 1849 will Georg Jung sich in Berlin als Anwalt niederlassen. Wegen seiner demokratischen Ansichten wird ihm das aber nicht erlaubt. Stattdessen bewirbt er sich für die zweite Kammer des neuen preußischen Abgeordnetenhauses und wird dort Mitglied der linken Fraktion. Georg bleibt weiterhin politisch sehr engagiert. 1850 zieht er mit seiner Familie zurück nach Köln und arbeitet dort unter anderem als Schriftsteller. Später ändert er seine politischen Ansichten, was für Revolutionär:innen von 1848, die in Deutschland geblieben sind, nicht ungewöhnlich ist. So spricht er sich 1863 gegen das allgemeine Wahlrecht aus – etwas, das er während der Revolution selbst gefordert hat. Er wird Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei und später der Nationalliberalen Partei. Auch wird er erneut Abgeordneter im preußischen Parlament. Georg stirbt am 8. Oktober 1886 in seiner Wohnung in Berlin.