König Louis-Philippe I.
Der Bürgerkönig
Geboren: 6.10.1773
Gestorben: 26.08.1850
Geburtsort: Paris
Beruf: König von Frankreich
Gruppe: Herrscher
König Louis Philippe I. ist ein Gegner der Revolution 1848/49. Er selbst ist in einer anderen Revolution, 1830, an die Macht gekommen. Lies dich durch das Material, um zu erfahren, wie Louis-Philippes Leben vor, während und nach der Revolution 1848/49 aussah.Vor der Revolution
Louis-Philippe I. wird am 6. Oktober 1773 in Paris geboren. Er ist der älteste Sohn von Louis-Philippe II., Herzog von Orléans, und Louise Marie Adélaïde de Bourbon. Während der Französischen Revolution (1789-1799) unterstützt er zunächst die revolutionären Ideale und tritt 1792 der Revolutionsarmee bei. Nach der Hinrichtung seines Vaters im Jahr 1793 geht er ins Exil und lebt in verschiedenen europäischen Ländern sowie in den USA. Nach dem Sturz Napoleons kehrt er 1814 nach Frankreich zurück. Während der Julirevolution von 1830 wird er zum König der Franzosen proklamiert und regiert bis 1848. Seine Herrschaft, bekannt als Julimonarchie, stützt sich hauptsächlich auf das wohlhabende Bürgertum. Die Monarchie unter Louis-Philippe I. fördert wirtschaftlichen Fortschritt und politische Stabilität. Allerdings bleibt die politische Teilhabe auf eine kleine Elite beschränkt, was zu wachsender Unzufriedenheit führt und schließlich die Revolution von 1848 auslöst. Trotz seines bürgernahen Auftretens wird seine Regierung zunehmend als konservativ wahrgenommen, was zu wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung führt.
Exkurs: 1830: Die Julirevolution
Die Julirevolution von 1830 in Frankreich entsteht aus der Unzufriedenheit mit König Karl X., der mit reaktionärer Politik versucht, die Vorrechte des Adels und der Kirche wiederherzustellen. Besonders das liberale Bürgertum lehnt seine Maßnahmen ab. Am 25. Juli 1830 erlässt er die sogenannten Juliordonnanzen, die die Pressefreiheit stark einschränken und das Wahlrecht zugunsten der Aristokratie verändern. Gleichzeitig verschärfen wirtschaftliche Probleme, wie steigende Lebensmittelpreise und hohe Arbeitslosigkeit, die Unruhe in der Bevölkerung. Vom 27. bis 29. Juli kommt es in Paris zu massiven Protesten und Barrikadenkämpfen, die als „Les Trois Glorieuses“ (Die drei glorreichen Tage) bekannt werden. Angesichts des Aufstands dankt Karl X. ab und flieht nach England. Das Parlament setzt daraufhin Louis-Philippe von Orléans als neuen König ein, der als „Bürgerkönig“ bekannt wird. Unter ihm wird eine konstitutionelle Monarchie eingeführt, in der er die Verfassung anerkennt und die Macht mit dem Parlament teilt. Das wohlhabende Bürgertum gewinnt an Einfluss, während Arbeiter:innen und Kleinbürger:innen weiterhin kaum politische Mitspracherechte erhalten. Obwohl einige liberale Reformen umgesetzt werden, bleibt das Wahlrecht auf einen kleinen Teil der Bevölkerung beschränkt, sodass keine vollständige Demokratie entsteht. Insgesamt führt die Julirevolution zu einer konstitutionellen Monarchie mit stärkeren Rechten für das Bürgertum, ohne jedoch eine echte Volksherrschaft zu etablieren.
Exkurs: Frauen nach der Julirevolution
Nach der Julirevolution 1830 bleiben Frauen in Frankreich politisch völlig ausgeschlossen. Sie dürfen nicht wählen, nicht kandidieren und auch keine Ämter übernehmen. Obwohl die Revolution mehr Freiheit verspricht, gelten diese Rechte nur für Männer – und nur für reiche Männer. Frauen, egal aus welcher Schicht, haben keine politische Stimme. Viele von ihnen engagieren sich trotzdem: Sie schreiben, demonstrieren oder organisieren sich – doch die Politik ignoriert sie. Ihre Forderungen nach Gleichberechtigung bleiben ungehört.
Exkurs: Zensuswahlrecht unter Louis-Philippe I.
Unter Louis-Philippe Herrschaft gibt es kein allgemeines Wahlrecht. Nur wer viel Steuern zahlt – also reich ist – darf wählen. Das nennt man Zensuswahlrecht. „Zensus“ kommt vom lateinischen Wort für Steuer. In der Praxis heißt das: Nur etwa 1 % der Bevölkerung darf überhaupt wählen, vor allem reiche Männer aus dem Bürgertum. Arbeiter, Bauern und viele Handwerker haben kein politisches Mitspracherecht. Das sorgt für viel Unzufriedenheit und ist ein wichtiger Grund für die Revolution von 1848.
Während der Revolution
Im Februar 1848 kommt es in Paris zu massiven Protesten gegen die Regierung von Louis-Philippe. Besonders das Zensuswahlrecht, das das Wahlrecht an Besitz und Steuerleistung koppelt, sorgt für Unzufriedenheit. Als Louis-Philippe am 21. Februar ein geplantes Bankett zur Wahlrechtsreform verbietet, eskalieren die Unruhen. Demonstrant:innen fordern nicht nur politische Reformen, sondern auch Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit. Angesichts der Barrikadenkämpfe sieht sich Louis-Philippe gezwungen, am 24. Februar 1848 abzutreten und flieht nach England, wo er im Exil lebt.
Exkurs: Immer wieder Barrikaden in Paris
Während der Februarrevolution 1848 spielen die Barrikadenkämpfe eine zentrale Rolle. In Paris kämpfen die Aufständischen an zahlreichen Barrikaden gegen die königlichen Truppen. Die Nationalgarde, ursprünglich eine bürgerliche Miliz, weigert sich weitgehend, gegen die Demonstranten vorzugehen. Einige Einheiten wechseln die Seiten, während andere zögern. Ein Schuss am Boulevard de Capucines löst eine panische Reaktion der Truppen aus, die eine Salve abfeuern, die etwa fünfzig Menschen tötet oder verletzt. Diese Gewalt verstärkt den Widerstand der Pariser Bevölkerung und führt schließlich zum Sturz der Julimonarchie und zur Abdankung Louis-Philippes. Doch auch nach der Februarrevolution bleibt die Lage angespannt. Im Juni 1848 kommt es zum sogenannten Juniaufstand, als Arbeiter:innen gegen die Schließung der Nationalwerkstätten protestieren. Diese Werkstätten waren eine zentrale soziale Maßnahme der provisorischen Regierung gewesen, um Arbeitslosen Beschäftigung zu geben. Ihre Auflösung trifft vor allem die Arbeiter:innen hart und führt zu einer massiven Erhebung. Der Aufstand wird mit großer Härte von der neugebildeten republikanischen Regierung unter General Cavaignac niedergeschlagen. Tausende Aufständische sterben oder werden verhaftet. Der Juniaufstand markiert eine tiefe Spaltung zwischen der republikanischen Regierung und der arbeitenden Bevölkerung und offenbart die sozialen Konflikte, die die neue Republik prägen.
Paris und Barrikadenkampf – das scheint in der Geschichte eine häufige Kombination zu sein. Auch das erste jemals geschossene Foto einer Barrikade kommt aus Paris. Es wurde von Charles-François Thibault aufgenommen. Es zeigt die Barrikaden in der Rue Saint-Maur-Popincourt am Morgen des 25. Juni 1848.
Exkurs: Das Ende der Revolution
Am Ende der Februarrevolution 1848 in Frankreich wird die Monarchie von Louis-Philippe gestürzt und die Zweite Republik ausgerufen. Doch obwohl viele Hoffnungen auf Freiheit und Gleichheit gesetzt wurden, bleibt die politische und soziale Situation kompliziert. Während die Bourgeoisie weiterhin politischen Einfluss behält, fühlen sich viele Arbeiter und Arme nicht wirklich repräsentiert. Der Versuch, durch die Einführung der Nationalwerkstätten Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, scheitert und führt zu den blutigen Juniaufständen. Am Ende des Jahres wird Louis-Napoleon Bonaparte Präsident der Republik und leitet später einen Staatsstreich ein, der zur Errichtung des Zweiten Kaiserreichs führt. Die Revolution endet also nicht mit einer umfassenden Demokratisierung, sondern bereitet den Weg für eine autoritäre Herrschaft.
Nach der Revolution
Louis-Philippe lebt bis zu seinem Tod am 26. August 1850 im Exil in Claremont, Surrey, England. Seine Flucht nach England 1848 ist ein Zeichen seines endgültigen politischen Scheiterns. Im Gegensatz zu früheren Monarchen wie Ludwig XVI. gelingt ihm zwar die Flucht, aber er bleibt politisch machtlos und hat keinen Einfluss mehr auf Frankreich. Die sozialen Spannungen, die wirtschaftliche Krise und die Forderungen nach Demokratie stellen eine Herausforderung dar, der er letztlich nicht gewachsen ist. Während er in England zurückgezogen lebt, setzt sich in Frankreich die politische Neugestaltung nach der Februarrevolution fort. Ein elfköpfiger Ministerrat, bestehend aus Liberalen, Demokraten und Konservativen, übernimmt die Regierung und versucht, die Zweite Republik zu festigen. Doch die neue Ordnung wird bereits im Juni 1848 durch den blutig niedergeschlagenen Juniaufstand erschüttert, bei dem die sozialen Spannungen zwischen der Arbeiterschaft und der bürgerlichen Regierung offen zutage treten. Die Februarrevolution und der Sturz Louis-Philippes haben weitreichende Folgen über Frankreich hinaus. Sie sind der entscheidende Anstoß für die Revolutionen von 1848/49 in Europa, insbesondere für die Märzrevolution in Deutschland, die von West- und Süddeutschland ausgeht und schließlich alle Staaten des Deutschen Bundes erfasst. Während sich in Frankreich die Republik trotz heftiger innerer Konflikte etabliert, bleibt Louis-Philippe bis zu seinem Tod im britischen Exil. Seine sterblichen Überreste werden später nach Frankreich überführt und in der Chapelle royale de Dreux beigesetzt.