Louise Otto

Die Zeitungsmacherin

Geboren:  26.3.1819

Gestorben:  13.03.1895

Geburtsort:  Meißen

Beruf:  Journalistin & Schriftstellerin

Gruppe:  Revolutionärin

Louise Otto ist eine bekannte Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts und setzt sich stark für die Revolution von 1848 ein. Lies dich durch das Material, um zu erfahren, wie Louise Ottos Leben vor, während und nach der Revolution 1848/49 aussah. Die wichtigsten Texte zu ihrem Leben vor, während und nach der Revolution sind mit den lila Pfeilen markiert.

Louise Otto: Vor der Revolution
Geboren am 26. März 1819 in Meißen, wächst Louise Otto in einem bürgerlichen Elternhaus auf. Schon als junges Mädchen beginnt sie zu schreiben. Nach dem frühen Tod der Eltern im Jahr 1835 beschließt sie, als politische Dichterin und Schriftstellerin zu arbeiten. Ihr Interesse gilt von Anfang an der sozialen Frage – das sind die Probleme, die durch die Industrialisierung entstehen, beispielsweise Arbeitslosigkeit oder die schlechten Arbeitsbedingungen in Fabriken. Insbesondere widmet sich Louise Otto dem Kampf für Frauenrechte. In Ehe, Wirtschaft, Gesellschaft und Staat sind Frauen damals sehr benachteiligt und teilweise rechtlos.

Exkurs: Bürgerliche Frauen im 19. Jahrhundert
(Bürgerliche) Frauen sind in der Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts unmündig. Das bedeutet, dass Frauen keine Entscheidungen selbst treffen können. Sie dürfen ihr eigenes Geld nicht selbst verwalten, sich vor Gericht nicht selbst vertreten und auch nicht selbst entscheiden, wo sie arbeiten wollen. Diese Entscheidungen trifft der sogenannte Geschlechtsvormund für Frauen. Das ist der Vater und nach der Eheschließung der Ehemann. Frauen sind diesen Männern wie Kinder unterstellt. Immer weiter verbreitet sich auch der Gedanke, dass Männer und Frauen aufgrund ihres Geschlechts natürliche Eigenschaften haben und deswegen bestimmte Rollen ausüben sollten. Für Frauen stellt man sich vor, dass diese besonders emotional, liebevoll und fleißig seien. Die zugedachte Rolle ist daher die der Mutter und der Ehefrau. Männer dagegen wären strategisch denkend und rational. Der Platz der Männer – so die Logik der Rollenzuschreibungen – ist damit der öffentliche Raum und die Berufstätigkeit. Der Platz der Frauen, das eigene Haus.

Louise Otto: Während der Revolution

In der Revolution von 1848/49 unterstützt Louise Otto die deutsche Nationalbewegung und engagiert sich zugleich als soziale Demokratin und Feministin. Als Herausgeberin der „Frauen-Zeitung“, die zwischen 1849 und 1852/53 erscheint, macht sie sich einen Namen. Die Zeitung dient der Sammlung und Vernetzung Gleichgesinnter sowie dem Austausch über die Probleme und Interessen von Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft. Ihr eigenes Emanzipationsprogramm formuliert und veröffentlicht sie bereits 1848. Es enthält die Forderung nach verbesserten Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten für Frauen sowie nach einer rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau in Ehe und Familie.

Exkurs: Mädchenbildung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert kommt es in vielen deutschen Gebieten zu großen Verbesserungen in der Bildungslandschaft. Das Schulsystem wird stark ausgebaut. Die Mädchen sind fast immer ausgeschlossen. Hier schauen wir uns das Thema Mädchenbildung nochmal genauer an.
In bildungsfernen Schichten zielt die Schulzeit darauf ab, die Kinder auf den Beruf vorzubereiten, den sie danach annehmen werden. In den meisten Fällen ist das der Beruf, der in der Familie bereits ausgeübt wird. Die Schulzeit endet mit ungefähr 10 Jahren. Die Lernbedingungen in den Schulen sind auch ganz anders als heute. Schüler:innen dürfen damals zum Beispiel noch geschlagen werden.
Nach der Volksschule (heute: Grundschule) können Jungen, deren Familien wohlhabend genug waren, auf Gymnasien, Realschulen oder Oberschulen gehen. Danach können Jungen, die ausreichend gute Schulleistungen und genügend finanzielle Sicherheit haben, studieren. Für Mädchen sind die weiterführenden Schulen nicht zugänglich. Auch die Universitäten nehmen keine Frauen auf. Das liegt daran, dass eine breite Bildung nicht in das Rollenbild der Frau passt und somit als unnötig oder unpassend betrachtet wird. Frauen sollen einen guten Haushalt führen können. Dafür findet im Bürgertum oft eine private Ausbildung mit Musikstunden und Fremdsprachenunterricht statt. Für Frauen aus der arbeitenden Schicht bedeutet es, dass sie nach der Grundausbildung in den Volksschulen meistens nicht weiter ausgebildet werden, sondern schnell zu arbeiten beginnen. Welche längerfristigen Folgen hat der Ausschluss von Frauen und Mädchen aus der Bildung?

Exkurs: Louise Otto wendet sich an die Politik

1848 packt Louise Otto der Wille etwas zu ändern. Sie wendet sich direkt an den sächsischen Minister und argumentiert für mehr Selbstbestimmungsrechte der Frau. Sie schreibt in einer Adresse – eine Art Brief mit einer Anfrage – folgendes:

Sie wissen es alle, daß unter den vorzugsweise sogenannten arbeitenden Klassen die Frauen so gut wie die Männer für das tägliche Brot arbeiten müssen. Ich will mich hier nicht dabei aufhalten, nachzuweisen wie, weil die Frauen nur zu wenig Arten von Arbeiten zugelassen sind, die Konkurrenz in denselben die Löhne so herabgedrückt hat, daß, wenn man das Ganze im Auge behält, das Los der Arbeiterinnen noch ein viel elenderes ist als das der Arbeiter. (…).
Ferner heißt dies aber auch, die eine Hälfte der Menschen für Unmündige und Kinder erklären und von den andern ganz und gar abhängig machen.(…) Ich bin gewiß, meine armen Schwestern teilen meine Gefühle, aber ihre Tage gehen so in Not und Stumpfheit dahin, daß sie nicht wagen, wie es die Männer tun, ihre Bitten und Wünsche öffentlich auszusprechen. So habe ich dies allein für sie zu tun gewagt durch das einzige Mittel, durch das es mir möglich ist, eine Wirkung für das Allgemeine wenigstens zu versuchen – durch die Presse. – Möchte es mir gelungen sein, Ihre Aufmerksamkeit auf die Lage der Arbeiterinnen und der Notwendigkeit einer Verbesserung derselben gelenkt zu haben!
Welche Probleme spricht Louise Otto hier an? Warum geht es den arbeitenden Frauen schlechter als den arbeitenden Männern?

Louise Otto als Herausgeberin

Einige Vertreter:innen der Revolution beginnen Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen, drücken so ihre Meinung zu politischen Debatten  aus oder versuchen die breitere Bevölkerung zu informieren. In politischen Clubs wurden Zeitungen vorgelesen, um den Teil der Bevölkerung, der nicht lesen konnte – ca. 20% – zu informieren. Zeitungen gab es schnell in vielen verschiedenen Formen und zu vielen Themen. Von strukturierten, wöchentlichen Blättern mit hohen Auflagenzahlen bis hin zu sporadisch erscheinenden Blättern mit einem stark individuellen Stil ist alles dabei. Auch Frauen werden zu Herausgeber:innen und Journalist:innen und finden einen neuen Weg, sich politisch zu beteiligen. Louise Otto ist eine von ihnen.  Sie veröffentlicht von April 1849 bis zum Verbot der Zeitung im Jahr 1853 regelmäßig die Frauen-Zeitung.

Im Programm der ersten Zeitung, welches als eine Art Vorwort dient, erklärt Louise Otto warum sie sich dazu entschieden hat, diese Zeitung zu veröffentlichen:
“Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen! — Das schrieb ich im Mai des Jahres 1848 hinaus in die Welt, als ich zunächst meine Worte an die Männer richtete, die sich in Sachsen mit der Frage der Arbeit beschäftigten und mahnte sie damit an die armen Arbeiterinnen, indem ich für meine Schwestern das Wort ergriff, auf daß sie nicht vergessen wurden! (siehe Exkurs: Louise Otto wendet sich an die Politik)
Dieser selbe Erfahrungsatz ist es, welcher mich zur Herausgabe einer Frauen-Zeitung veranlaßt. (…) Ich rufe euch auf, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir, damit wir nicht zurückbleiben, wo Alle und Alles um uns und neben uns vorwärts drängt und kämpft. (…)
Wir wollen unser Theil fordern: das Recht, das Rein-Menschliche in uns in freier Entwicklung aller unserer Kräfte auszubilden, und das Recht der Mündigkeit und Selbständigkeit im Staat.
Wir wollen unser Theil verdienen: wir wollen unsere Kräfte aufbieten, das Werk der Welt-Erlösung zu fördern, zunächst dadurch, daß wir den großen Gedanken der Zukunft: Freiheit und Humanität (was im Grunde zwei gleichbedeutende Worte sind) auszuarbeiten suchen, in allen Kreisen, welche uns zugänglich sind. (…)
Wohl auf, meine Schwestern, helft mir zu diesem Werke! Helft mir für die hier angedeuteten Ideen zunächst durch diese Zeitung wirken! (…)”

Louise Otto: Nach der Revolution

Nach dem Ende der Revolution gehört Louise Otto zu den politisch Überwachten. Sie verfasst jetzt vor allem Belletristik, zum Beispiel Romane. Louise Otto heiratete August Peters, einen Revolutionär und Journalisten. Das Paar lebt in Leipzig und arbeitet bis zum Tod von August Peters 1864 gemeinsam für eine demokratische Zeitung. 1865 gründet Louise Otto Peters den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF). Mit ihm entsteht ein deutsches Netzwerk von Frauenvereinen. Von nun an sind die ungleichen Rechte von Frauen ein Thema, das aus der öffentlichen Debatte in Deutschland nicht mehr verschwindet. Das hinterfragte patriarchale Denkformen. Louise Otto Peters bleibt bis zu ihrem Tod 1895 die Vorsitzende des ADFs.

Exkurs: Feminismus, Emanzipation, Partriarchat

was genau bedeuten diese Begriffe heute eigentlich?

Was ist Feminismus?
Feminismus ist eine Denkweise und eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass Frauen im Leben nicht benachteiligt werden. Es geht darum, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Zum Beispiel: Das gleiche Gesetz soll für Männer und Frauen gelten. Der Feminismus fordert auch gesellschaftliche Gleichstellung. Frauen sollen im Alltag die gleichen Chancen haben wie Männer. Zum Beispiel: In einer Firma werden Männer und Frauen gleich gut bezahlt, wenn sie die gleiche Arbeit machen.
Über Feminismus wird heutzutage (wie auch schon 1848) sehr viel gestritten. Manche Menschen denken, dass Feminist:innen wollen, dass Frauen mehr Rechte als Männer haben oder, dass Feminist:innen Männer hassen. Das stimmt nicht.
Was ist dann Emanzipation?
Emanzipation wird häufig mit Feminismus in Verbindung gebracht. Das Wort bedeutet so etwas wie eigenständig werden. Spricht man von der Emanzipation der Frau bedeutet das, dass Frauen eigenständig werden und nicht mehr von (ihren) Männern abhängig sind. 1848 waren Frauen zum Beispiel noch ihren Ehemännern unterstellt.
Was ist dann das Patriarchat?
Das Patriarchat ist ein Begriff, der in der Wissenschaft benutzt wird, um eine Gesellschaft zu beschreiben, die von Männern dominiert wird. Das bedeutet, dass für viele Jahrhunderte Männer in allen wichtigen Positionen des Staates das Sagen hatten – zum Beispiel als König, als Richter, als Minister oder als Präsident. Über diese lange Zeit hat das dazu geführt, dass eine Gesellschaft entstand, die Männer bevorzugt. Die lange typische Rollenverteilung, dass Frauen vor allem als Mütter und Ehefrauen gesehen werden, während Männer Karriere machen, ist ein Beispiel dafür.