Paul Börner
Der politisierte Jura-Student
Geboren: 25.05.1829
Gestorben: 30.08.1885
Geburtsort: Jakobshagen
Beruf: Student
Gruppe: Revolutionär
Vor der Revolution
Paul Albrecht Börner wird am 25. Mai 1829 in Jakobshagen als Sohn des Richters Paul Börner geboren. Seine Familie ist wohlhabend und bürgerlich. Schon als Schüler interessiert er sich für die demokratischen Ideen der Französischen Revolution. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Prenzlau und des Pädagogiums in Züllichau beginnt er im Herbst 1847 ein Jurastudium in Berlin. Da kurz zuvor sein Vater stirbt, konzentriert sich der 18-Jährige zunächst voll auf sein Studium.
Während der Revolution
Die Pariser Februarrevolution ist für Paul Börner ein einschneidendes Erlebnis. Fortan gilt sein Hauptinteresse revolutionären Vorgängen. Er besucht regelmäßig Cafés und verfolgt aufmerksam die Sprecher auf öffentlichen Volksversammlungen „unter den Zelten“. Am 7. März spricht er selbst auf einer solchen Versammlung, wird jedoch missverstanden und nicht ernst genommen. Dennoch nimmt er weiter an den Zelteversammlungen teil und gehört am 11. März zu den wenigen politisch aktiven Studenten.
Am 18. März kommt es auch in Berlin zu erbitterten Kämpfen. Börner beteiligt sich aktiv an den Barrikadenkämpfen, zunächst von einem Dach aus, um die angreifenden Soldaten durch Steinwürfe abzuwehren. Später zieht er sich in das Obergeschoss eines Hauses zurück, wo er sich stundenlang unter einem Bett versteckt und so einer Festnahme entgeht. Börner fordert die Studenten an der Universität auf, sich dem Kampf anzuschließen, doch folgen ihm höchstens zehn von 1500 Studenten, während die Mehrheit die Universität schützt. Zudem ruft er in der Innenstadt und in der Königsstadt die Bevölkerung zur Bewaffnung und zum Barrikadenbau auf. Nach den Kämpfen stellt er sich dem Bürgerwehr-Kommando zur Verfügung.
Börners politische Haltung entwickelt sich maßgeblich unter dem Einfluss von Gustav Adolf Schlöffel, den er in der Bürgerwehr kennenlernt. Er tritt dem politischen, später Demokratischen Club bei, dessen Hauptziel die vollständige Umsetzung der Revolution und die Überwindung des Polizeistaats ist. Am 31. März spricht er als Vertreter des politischen Clubs auf einer großen Versammlung im Tiergarten. Nach Nachrichten über den Aufstand in Schleswig entschließt er sich, aus Unzufriedenheit mit der politischen Situation in Berlin als bewaffneter Freiwilliger gegen die Dänen zu kämpfen. Im Mai kehrt er zurück, entschlossen, die revolutionär-demokratische Bewegung radikal zu erneuern. Börner betont, dass die Volkssouveränität sowohl bereits erreichtes Ergebnis als auch entscheidendes Ziel der Revolution sei, bezeichnet sie metaphorisch als „Stern der Volkssouveränität“ und sieht darin die zentrale Aufgabe der Demokraten.
Am 4. Juni nimmt Börner als einer der 14 Sprecher an einer großen Kundgebung im Friedrichshain teil, an der insgesamt mehr als 50.000 Menschen teilnehmen. In seiner Rede hebt er die Bedeutung der Volkssouveränität hervor und betont, dass sie sowohl Errungenschaft als auch weiterhin anzustrebendes Ziel der Revolution sei.
Exkurs: Was ist eigentlich Volkssouveränität?
Darunter verstehen Demokrat:innen, dass alle staatliche Macht vom Volk ausgehen sollte. Die Bevölkerung ist so der Souverän – der Herrscher – über den Staatsapparat. Aus dieser Grundhaltung entwickelte sich mitunter die Idee der Gewaltenteilung.
Exkurs: Die Volksversammlungen in den Zelten
„In den Zelten“ befindet sich damals außerhalb der Stadtmauern. Hast du eine Idee, warum es ein gut geeigneter Ort für Versammlungen ist? An welchem Ort würdest du dich 1848 für eine öffentliche Diskussion treffen? Welche Rahmenbedingungen wären dir wichtig?
Am 6. März erklären sich Studenten bei einer dieser Versammlungen im Tiergarten bereit, die Forderungen in einer Petition zusammenzufassen. Hier siehst du den Forderungskatalog, wie er vom Revolutionär Carl Nauwerck einige Wochen später in der Nationalzeitung veröffentlicht wird. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Punkte?
Carl Nauwerck: Deutsche Volkstafel, Nationalzeitung vom 4. 4. 1848
1. Vollkommene Preßfreiheit, ohne Geldbürgschaften; die Geschworenengerichte urtheilen über Preßvergehen.
2. Wahrhaft konstitutionelle Verfassung, mit allgemeinem Wahl- und Wählbarkeitsrecht.
3. Verantwortlichkeit der Minister gegenüber den Volksvertretern.
4. Vereidigung des Heeres auf die Verfassung.
5. Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze.
6. Gleichberechtigung aller Einwohner ohne Unterschied des Glaubens; vollkommene Religionsfreiheit und Trennung der Kirche vom Staate.
7. Vereins- und Versammlungsrecht, sowie volle Lehr- und Hörfreiheit.
8. Unbeschränktes Bitt- und Beschwerderecht.
9. Gewährleistung der persönlichen Freiheit und Unverletzbarkeit des Hausrechts.
10. Geschworenengerichte.
11. Unabhängigkeit der Richter; nur auf gerichtliches Urtheil dürfen sie abgesetzt und versetzt werden.
12. Verminderung des stehenden Heeres und Volksbewaffnung mit Erwählung der Führer durch die Wehrmänner.
13. Öffentlichkeit aller öffentlichen Angelegenheiten.
Barrikadenkampf in Berlin
An den Barrikaden kämpfen nicht nur Männer. Das Bild zeigt, wie Frauen an den Barrikaden in Berlin mitkämpfen. Sie gießen Kugeln und schleppen Steine auf Dächer und Türme. Schau das Bild genau an. Womit sind die Menschen auf dem Bild bewaffnet?

Exkurs: Wer kämpft und stirbt auf den Barrikaden?
Der Friedhof der Märzgefallenen wird während der Revolution 1848 angelegt. Hier werden insgesamt 255 Menschen beerdigt. Alle sterben während der Kämpfe am 18. und 19. März oder an den Folgen ihrer Verletzungen. Unter den Bestatteten sind auch 11 Frauen. Viele Berliner Frauen beteiligen sich an dem Aufstand. Sie organisieren viel Notwendiges im Zusammenhang mit den Kämpfen. Sie gießen Kugeln, bauen Barrikaden, verpflegen die Kämpfenden und versorgen die Verwundeten. Von einigen wissen wir, dass sie mit der Waffe in der Hand auf den Barrikaden kämpfen.
Exkurs: Das Ende der Revolution
An nur drei Tagen im November 1848 beendet der König die Revolution in Berlin: Am 10. November besetzt General von Wrangel mit 13.000 Soldaten die Stadt. Am 11. November wird die Berliner Bürgerwehr aufgelöst, und am 12. November wird der Belagerungszustand verhängt. Statt Pressefreiheit, lebhafter Meinungsbildung in Cafés und auf der Straße, öffentlichen Protesten und Demonstrationen erzwingt Friedrich Wilhelm IV. Ruhe in Preußen. Der König erlässt für den preußischen Staat eine eigene Verfassung, die aber die revolutionären Hoffnungen nicht erfüllen kann. Im Frühjahr 1849 bietet die Frankfurter Nationalversammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone eines vereinten Deutschlands an. Im April 1849 lehnt der König dann aber ab, da der Krone, so Friedrich Wilhelm IV., der „Ludergeruch der Revolution“ anhafte. Auf gesamtdeutscher Ebene scheitert die Revolution endgültig, als die militärische Niederschlagung unter preußischer Führung der „Reichsverfassungskampagne“ im Juli 1849 den letzten revolutionären Widerstand bricht. Zahlreiche Revolutionäre, darunter Parlamentarier der Paulskirche, fliehen vor politischer Verfolgung ins Ausland.
Nach der Revolution
1854 promoviert Börner in Greifswald zum Dr. med. Nach seiner Approbation 1856 praktiziert er in Königswalde und Landsberg an der Warthe, ab 1863 in Berlin. Im Deutsch-Französischen Krieg dient er als leitender Arzt eines Lazarettzuges. In den folgenden Jahren widmet er sich zunehmend der medizinischen Publizistik, gründet 1875 die Deutsche Medizinische Wochenschrift und gibt ab 1879 das Jahrbuch für praktische Medizin heraus. 1880 begründet er den Reichs-Medizinal-Kalender für Deutschland. Paul Albrecht Börner stirbt 1885 im Alter von 56 Jahren in Dresden.